2026-06-28

Abhängigkeit

Bei der Dialyse kann man sich darauf verlassen, dass immer alles gleich ist: Gleicher Liegenplatz, gleiche Uhrzeit, gleicher Wochentag, gleiches Team, gleiche Mit-Patienten. Wenn mal alles anders ist als sonst, dann bedeutet das Chaos (im positiven Fall vielleicht auch einfach Urlaub). In meiner Dialyse fiel vor zwei Tagen die Osmose-Anlage aus, die das Wasser für die Dialysemaschinen reinigt. Ohne diese Anlage kann nicht weiter dialysiert werden.

In einem Kraftakt organisierte das Dialyseteam Ersatzbehandlungen für alle Patienten in der ambulanten Dialyse des Klinikums. Während vielerorts Dialysezentren schließen müssen oder so überfüllt sind, dass sie keinen einzigen externen Patienten aufnehmen könnten, verfügt das Klinikum über die Infrastruktur zur Behandlung zahlreicher Dialysepatienten. Für mich bedeutete dies, dass ich zum allerersten Mal seit Beginn meiner Dialyse am Freitag keine Behandlung hatte. Dafür – wie ganz zu Beginn meiner Dialyse – zur Frühschicht am Samstag Morgen um sechs. Als Dialysepatientin, die regelmäßig Urlaub macht, war es für mich kein Problem, in den unbekannten Räumlichkeiten der ambulanten Dialyse behandelt zu werden. Nur die Temperaturen in diesen Räumen waren, dank anhaltender Hitzewelle und fehlender Klimaanlage, unerträglich.

Trotzdem: Es überwiegt das Glücksgefühl, eine Dialysemöglichkeit gehabt zu haben. Als ich am Freitag hörte, dass die Anlage ausgefallen sei und nicht mehr dialysiert werden könne, dachte ich nicht: „Oh toll, jetzt muss ich nicht mehr zur Dialyse!“ Ich dachte: „Von Mittwoch bis mindestens Montag keine Dialyse – das überlebe ich nicht!“ Der Körper vergiftet sehr schnell, wenn keinerlei Nierenleistung mehr vorhanden ist.

Die Abhängigkeit von den Maschinen, von der Aufmerksamkeit und Unterstützung des Pflegeteams und der Ärzte, wird einem dann deutlich, wenn einige Rädchen im Getriebe nicht mehr ineinander greifen. Ich habe mir große Sorgen gemacht und war sehr froh, als das Dialyseteam nach wenigen Stunden eine Lösung für die Patienten gefunden hatte.

In solchen Situationen – die zum Glück nur sehr, sehr selten vorkommen – fühle ich Demut dem Leben gegenüber. Der Spruch „Carpe diem – Nutze den Tag“ stimmt: Kein Moment unseres Lebens kommt je zurück. Unsere Zeit ist begrenzt. Ich bin froh, den wunderschönen Bodrum-Urlaub mit meinem Sohn gemacht zu haben – auch wenn er teuer war. Ich freue mich über mein Sofa, auf dem ich in Ruhe mit der Katze neben mir sitzen kann – ohne Verpflichtungen, ohne Plan. Ich bin dankbar für meine Arbeit, die mir immer wieder neue Impulse gibt und mir hilft, mich nicht nur krank zu fühlen. Ich fahre gerne meinen Vater besuchen, denn dieser Besuch zuhause gehört einfach schon mein Leben lang zum Wochenend-Programm. Ich kümmere mich gerne um die alte Katze – auch wenn das manchmal sehr mühsam ist. Denn sie hat ihr ganzes Katzenleben mit mir verbracht, während es bei mir nur die letzten fünfzehn Jahre meines Lebens waren. Der innere Zirkel, die kleinen Dinge des Lebens, und das Gefühl, zu leben. Nichts anderes zählt.

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