2026-08-20

Verlust

Dieses Jahr ist schon jetzt ein Jahr der Abschiede.

Gleich zu Beginn des Jahres ging eine Beziehung zu Ende, die mich gedanklich immer noch sehr beschäftigt. Diese Verbindung hat mir die Schwere des Alltags genommen, war aber selbst so voller Schwere, Komplikationen und ungelöster Fragen, dass die Beendigung die einzige Alternative war.

Ende März ging meine Mutter von uns. Nach wochenlangem Drama im Pflegeheim hat sie ihr geliebter „großer schwarzer Vogel“ zu sich geholt (sie wünschte sich dieses Lied von Ludwig Hirsch für ihre Bestattung, was den Pfarrer etwas in Erklärungsnot brachte).

Und gestern musste ich meine kleine Meggie gehen lassen. Nach fünfzehn Jahren, in denen sie immer da war.

Es fühlt sich an, als ob das Fundament meines Lebens gerade einfach so wegbricht. Feste Bezugspersonen und -größen verschwinden, nicht nur aus dem Blickfeld, sondern völlig aus dem Leben.

Nun habe ich zwar als buddhistisch eingestellter Mensch eine sehr liberale Einstellung dem Leben, Tod und dem Sterben gegenüber. Trotzdem: Es tut brutal weh, die Trauer ist immens und mir bleibt bisweilen wirklich die Luft weg.

Die Tränen kommen zu den unmöglichsten Zeitpunkten. Und gerade, wenn die Tränen wegen des einen Verlusts halbwegs getrocknet sind, stellt der nächste Verlust meine Belastbarkeit auf die Probe.

Die Trauer bekommt ihren Raum. Ich halte nichts davon, sie zu unterdrücken. Sie kommt im Stillen, im Alleinsein. Sie macht sich Raum in Form von Lieblingsgerichten meiner Mutter, die ich nachkoche, großzügigen Streicheleinheiten für den Nachbarskater oder neuen Lieblingsaktivitäten und Vorlieben, die mit der verflossenen Liebe zu tun haben.

„Leben ist Leiden“, sagt der Buddha – und im Moment spüre ich das in jeder Faser meines Körpers und vor allem auch ganz tief in mir drin.

Gleichzeitig bin ich neugierig darauf, was das Leben nun bringt: Tritt ein neuer Mensch in mein Leben? Schickt mir das Schicksal vielleicht eine Streunerkatze, die sich bereitwillig von mir füttern lässt? Oder werde ich mit jedem Monat, in dem meine Mutter nicht mehr unter uns weilt, immer mehr wie sie?

Leben ist auch Veränderung. Akzeptanz. Trauer, Wut, Sehnsucht, Liebe. Existent auch ohne Hüllen und Formen.

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